Selbsterhaltungstrieb

Rachsucht
Angenommen, man ist mit jemandem in einer Notfallsituation, dem man nicht vertrauen kann. Ein Verbrecher, als Beispiel. Diese Notfallsituation fordert, dass ihr dieser Person Macht verleiht, die euch selbst vernichten könnte (beispielsweise eine Waffe), euch aber selbst ebenso das Leben retten kann. Würdet ihr dieser Person diese Macht geben? Oder eher versuchen, euer Leben selbst zu retten?
Eine sehr schwierige Frage, wie ich finde. Ich bin gespannt...
BTL
Öhh...
läßt sich hypotetisch schwer beschreiben, wenn ich aber die Wahl hätte durch Situation X definitiv zu sterben, oder aber von Person A vieleicht gerettet zu werden,. ist bei dieser knappen Situationsbeschreibung die geringe Chance der Nicht- Chance vorzuziehen.
Epiphan
Ja, würd ich ebenso sehen.

Bevor der mich dann in dieser dargestellten Situation umpustet bevor mich der andere Weg eh umbringen würd, bestünde ja immerhin die Möglichkeit, da lebend rauszukommen.

*wirr*
Nimbrethil
Hm, ich glaube ich würde es nicht riskieren und lieber versuchen mir selbst zu helfen.
Es besteht zwar die Chance, lebend rauszukommen, weil man dem anderen vertraut hat, aber das muss nicht so sein, es kann auch daneben gehen.
Wenn ich mich also entscheiden müsste, ob ich sterbe weil ich es nicht geschafft habe, mich selbst zu retten, oder weil ich jemandem zu Unrecht mein Leben anvertraut habe, würde ich Ersteres wählen.
Rachsucht
@Nimbrethil:
Könntest du es denn verantworten einen Menschen krepieren zu lassen? Schließlich hat er nicht die gleiche Macht und somit den Anderen absolut unterlegen.
Nimbrethil
@Rachsucht:
Das kommt auf den Menschen an. Ich maße mir nicht an, das Recht zu besitzen, über andere zu urteilen oder sie zu verurteilen, aber wenn es sich z. B. um einen Terroristen oder einen Sexualstraftäter handelt, würde ich ihn sterben lassen.
Ansonsten würde ich, wenn es mein eigenes Leben nicht gefährden würde, jedem anderen helfen, keine Frage.
merla
Ich find die Frage verdammt schwierig …
Ich tu mich so schon sehr schwer damit, anderen zu vertrauen und versuche erst mal, Probleme allein zu lösen.
Aber in Kauf nehmen, dass jemand anderes drauf geht, kann ich auch nicht. Ich würd also versuchen, zweigleisig zu fahren, indem ich einen Notfallplan erstell. Soll heißen, ich helf auch dem anderen, bleib aber misstrauisch .
Keine Ahnung, ob sowas in der Realität machbar ist, aber mir scheint es der sicherste Weg zu sein ...
Rachsucht
Vllt konkretisier ich das ganze ein wenig genauer.
Gestern Abend lief ein Film im Free-TV, der ein solches Problem, in meinen Augen, zurecht aufschlug.

Eine kleine Polizeiklitsche mit einer Besatzung von vier Mann musste einen Bus mit 4 Insassen unterbringen. Darunter waren ein Junkie, ein Kerl mit Namen Bishop, der der Kopf einer unglaublich großen und Cop-Erschießenden Mafia ist, eine Dame, die noch niemals in ihrem Leben etwas getan hat und ein kleiner Wanne-Be-Gangster aus dem Gettho.

Plötzlich wurde das Revier von Kerlen angegriffen. Die Mannstärke war etwa 10:1 für die bösen Jungs außerhalb des Revieres. Somit lag es entweder nahe, die Insassen mit Munition und Waffen zu versorgen, oder eben zu versuchen, die Angreifer zu dritt zurück zu schlagen.

Was hättet ihr getan? Dem Cop-Killer 'ne Schrotflinte in die Hand gedrückt und das Risiko getragen, dass er später abhaut oder er euch die Birne runter pustet? Oder doch eher selbst den Rambo raushängen lassen und die gesamte Revierbesatzung inklusive Insassen zum Tode verurteilt?
merla
den Kerl am besten nie im Rücken haben, würd ich mal sagen .... naja und wenn er rotzig wird, wars eben Notwehr ...
Nimbrethil
Alle mit Waffen ausstatten, abgesehen von ihm.
Und ihm erst wenn es hart auf hart kommt, eine Waffe in die Hand drücken und, wie merla schon sagte, ihn auf keinen Fall aus den Augen lassen.
materialpunk
also ich find diese situation so unglaublich unrealistisch! besser gesagt, sie würde einem wohl sogut wie nie passieren! aber so ganz allgemein würde ich sagen, wenn jemand in einer ernsthaften notsituation ist, ist sich jeder selbst der nächste und versucht im ersten moment, seinen eigenen arsch zu retten! zumindest wenn die zweite person ein fremder ist! das ist einfach so, bei den meisten und sicher auch bei mir selbst! so schätz ich mich zumindest halbwegs realistisch ein! wenn es um ein familienmitglied ginge, sähe die sache vielleicht noch ganz anders aus!

erst kürzlich hatten wir zu dem thema auf einer weiterbildung eine kleine diskussion, im prinzip die gleiche situation, nur realistischer und evtl. abgeschwächter: wenn im flugzeug die sauerstoffmasken runterfallen und du neben deinem kind/ partner/ etc. sitz, greifst du zuerst selbst zu maske oder stülpst du sie sofort deinem kind/ etc. über? wir sind zu folgendem entschluss gekommen: du ziehst sie dir selbst über.... denn ohne sauerstoff kann man nicht retten!

ich hoffe, ich hab jetzt nicht komplett am thema vorbeigeschrieben?
Angiesheart
also ich würde sagen es kommt drauf an wo es passiert....es gibt aus psychologischer sicht ja drei verschiedene methoden sich in einer lebensbedrohlichen Situation sich selber zu schützen( weglaufen, schreien bzw wehren oder eine art todstellen/über sich ergehen lassen)...also früher hätte ich mal gedacht das ich weglaufen oder zumindest schreien würde....aber was macht man wenn es in der eigenen Wohnung passiert? also ich denke aus eigener erfahrung weiß man nie wie man auf so eine Situation reagieren würde...
deathfairy
so jemandem würde ich die macht nicht geben
Synapsenpogo
Ich würde sagen diese Situation ist zu hypothetisch um da eine klare Aussage zu treffen.
Die gleiche Diskussion hatte ich mal im Kontext des möglichen Kriegsfalls und einer eigenen pazifistischen Grundüberzeugung.
Szenario:

2 Soldaten gegnerischer Parteien begegnen sich auf dem Schlachtfeld und man steht als einer der Beteiligten vor der Entscheidung, entweder den anderen zu töten um selbst zu überleben, oder sich zu ergeben und zu hoffen, dass man durch die Gnade des Gegners überlebt.

Dabei kann man das pauschal nicht sagen, weil man in einer Stresssituation nicht unbedingt "normal" reagiert.
Es ist immer möglich, dass man aus Reflex Dinge tut, die man unter rationalen Umständen ( also wenn keine psychische Stresssituation vorliegt ) nicht tun würde.

Zum Thema "Krimineller": Auch da reagieren Menschen zuweilen unlogisch bzw. gegen ihre Überzeugung.

Stichwort: "Helsinki Syndrom"
Das Helsinki Syndrom bezeichnet den Umstand, wenn eine Geisel sich in den Geiselnehmer verliebt und ihm hilft anstatt alles daran zu setzen sich beispielsweise zu befreien.

Der Ausgang solcher Situationen ist immer von der jeweiligen persönlichen Konstitution, dem emotionalen Stressfaktor und dem Zufall abhängig.
Auch die Situation spielt eine Rolle.

Was zB wenn besagter Krimineller euch vorher erzählt hat, dass er 2 Kinder und eine Frau hat ... ist die Entscheidung ihn zB in Notwehr zu erschießen, statt ihm die Waffe zu geben dann immer noch so eindeutig bzw. einfach gefällt?
schwarze.Ratte
Ist wirklich eine schwierige Frage.

Wenn die Person vorher noch nicht bewiesen hat mir zu helfen, sodass evtl beide überleben könnten, würde ich dieser Person auf keinen Fall vertrauen.
Wenn die Person vorher schon mal 'nett' war und so, dann müsste ich mir das überlegen.
Immerhin ist man ja zusammen immer stärker als alleine...

Aber das kommt halt auch auf die entsprechende Situation und die Person bzw deren Charakter an.