Männersprachen und Frauensprachen

Normal
Ich möchte im Folgenden drei Positionen sehr knapp vorstellen, welche das Gesprächsverhalten von Männern und Frauen untersucht haben und Euch fragen, ob Ihr mit den Positionen übereinstimmt oder ob Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt oder ob Eure Erfahrungen von den drei Positionen schlechterdings abweichen.

Lakoff geht von der These aus, dass das männliche Gesprächsverhalten als Norm gesetzt wird. Verglichen damit zeigt sich im Gespächsverhalten bei Frauen, dass Frauen mehr Heckenausdrücke nutzen als Männer. Heckenausdrücke sind z. B. ´ich finde´, ´ich meine´ etc. Das deutet Lakoff als Unsicherheit oder Vagheit. Ist es tatsächlich so, dass solche Heckenausdrücke Vagheit oder Unsicherheit der Frau anzeigen? Ist es besonders dann der Fall, wenn ich die männliche Normvorstellung von Sprache fallen lasse und das Gesprächsverhalten der Frau gleichsam neutral betrachte?

Widmark und Thelander stellen fest, dass das Sprachverhalten der Männer und der Frauen aus einer geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Umwelt- oder Situationsinterpreation entspringt. Nach diesem Ansatz sollen Frauen in Alltagsgesprächen eher als Männer die Nähesitaution suchen. Ist es wirklich so? Suchen Frauen in Alltagsgesprächen faktisch mehr Nähe als Männer? Wie sieht Eure Erfahrung damit aus?

Eine dritte Position deutet das Sprachverhalten von Männern und Frauen so, dass Männer eher konfliktorientiert sprechen und Frauen eher konsensorientiert, so Schmidt.
Auch hier frage ich Euch, ob Ihr diese Position aufgrund Eurer Erfahrung bestätigen oder ablehnen könnt.
Shiva
Ich finde Lakoffs These interessant. Wobei "ich"-Botschaften nicht als Unsicherheit zu werten sind. Also "ich finde" oder "ich denke" machen es dem Gegenüber eher möglich, sich etwas von dem Gesagten anzunehmen. Vermutlich rührt das daher, dass Frauen eher Gefühls betont reden als Männer.

Ein Mann bewertet eine Nachricht oft auf der Sachseite, also, was sagt das Gegenüber faktisch aus. Z.B. "du siehst gut" = "du siehst gut aus". Weibliche Kommunikation interpretiert oft mehr da hinein z.B. "du siehst gut aus" = "du siehst gut aus und ich sage das, um xy zu erreichen". Frauen sehen also eher die Beziehungsseite einer Nachricht. Wobei... das ist ganz schön heruntergebrochen auf Männlein/Weiblein.

Ich nehme an, dass es tatsächlich Unterschiede in der Kommunikation beider Geschlechter gibt und vermute, dass es zum einen physiologisch bedingt ist (also Nutzung der Hirnhälften, IQ/EQ, etc.) zum anderen großen Teil aber auch bedingt durch die Sozialisation.

Was mich gerade beschäftigt... warum interessiert dich das?
Berti
Hrm, ich würde nicht von verallgemeinerbaren Differenzen zwischen der Sprache von Männern und Frauen ausgehen. Wenn überhaupt, dann gibt es eher gewisse Tendenzen, einige Kommunikationsstile sind bei Frauen ggf. stärker vertreten als bei Männern, bei denen dafür andere Kommunikationsstile vorherrschen. Aber eine eindeutige "Männer so, Frauen so" Kategorisierung lehne ich ab.

Hinzu kommt, dass mir aus eigener Erfahrung keine allzu deutlichen Tendenzen einfallen würden, was natürlich nicht bedeuten muss, dass es sie nicht gibt. Ich fühle mich nun spontan versucht etwas zu Recherchieren, mal sehen ob ich bei Friedemann Schulz von Thun etwas dazu finde. Im Übrigen eine sehr sehr gute Lektüre wenn man sich etwas für Kommunikation interessiert.

Sollte ich fündig werden, werde ich Meldung erstatten.
Shiva
@Berti: ich bezog mich mit den Seiten einer Nachricht (u.a. Beziehungsebene und Sachebene) auf Schulz von Thun. Die Interpretation dessen auf männlich/weiblicher Kommunikationsstil war allerdings frei von mir interpretiert.

Schulz von Thun trennt die Geschlechterrolle nicht so deutlich. Ich kann allen, die sich für das Thema interessieren "Miteinander reden Bd. I-III" empfehlen.