kivio
oder „Can you handle a slut?“
Tag 96 meiner intensiven Forschungstätigkeit im Bereich „Schwarze Szene und BDSM“. Bis auf Hinweise zur Thematik der Kommerzialisierung beider Szenen keinen nennenswerten neuen Erkenntnisse. Man könnte sagen, ich drehe mich im Kreis, aber das mache ich natürlich nicht, da mein Bürostuhl mir so etwas gar nicht erst ermöglicht. Seufzend wühle ich in meinen Unterlagen und räume diverse Fachliteratur auf dem Schreibtisch von links nach rechts.
Eine sanfte Berührung an meiner Schulter schließlich zwang mich dazu, in die Gegenwart zurückzukehren. Ich schaute auf. Da stand sie, ganz in schwarz, kristallklare grüne Augen musterten mich, sie lächelte ein Raubtierlächeln.
„Das Interview?“ sie schnurrte förmlich, ihre Stimme sanft und dunkel und unendlich weich.
„Äh ja, sicher,“ stammelte ich „bitte nehmen Sie doch Platz.“ Ich antwortete verdutzt, zeitverzögert und unelegant, so kenne ich mich eigentlich gar nicht, behaupte zuweilen sogar recht eloquent zu sein. Ich gebe es zu, die Dame übte einen ganz besonderen Reiz aus. Sie sank in den Sessel mir gegenüber (hinsetzen wäre ein zu ungeschickt gewählter Begriff), so selbstverständlich, als würde er ihr gehören. Ellenlange schlanke Beine wurden elegant übereinander geschlagen und wieder schenkte sie mir einen fast herausfordernden Blick und ein unergründliches Lächeln. Instinktiv verzichtete ich auf die üblichen Präliminarien, dieser Dame einen Kaffee zu offerieren würde fast schon an Frechheit grenzen.
„Worum geht es denn?“ erkundigte sie sich sanft. Oh diese Stimme, in der hätte ich mich einkuscheln mögen. Ich räusperte mich „Es geht um BDSM und die Schwarze Szene.“ antwortete ich auf ihre Frage und war mir einmal mehr bewusst, dass meine Eloquenz offensichtlich gerade Urlaub auf den Malediven, oder besser noch, im Bermudadreieck machte.
„Was genau möchten Sie denn wissen?“ fragte sie neugierig weiter „Schwarz bin ich ja, wie man sieht…“ sie strich sich sinnlich an ihrer Hüfte entlang, ich seufzte innerlich. „Aber BDSM?“ sie zögerte „Vielleicht können wir das gemeinsam klären?“
„Gern“ antwortete, immer noch elektrisiert von ihren ebenso eleganten wie erotischen Bewegungen „Würden Sie sich persönlich sowohl als schwarz wie auch als Mitglied der BDSM-Szene sehen?“ „Diese Medaille hat zwei Seiten, „sie lächelte fein „ devot bin ich sicherlich nicht, masochistisch schon gleich gar nicht. Ich bin der Hingabe durchaus fähig, aber nur, wenn ich das will.“
„Also würden Sie sich eher als dominant bezeichnen, als diejenige, die die Kontrolle hat?“
„Absolut. Ich halte genau das für eine Naturbegabung, das kann man nicht lernen, das ist man oder man ist es eben nicht. Ich erhebe meine Stimme nicht, ich schwinge keine Peitsche, dennoch bin ich diejenige, der man sich unterordnet.“
„Wie leben Sie das?“
„Nun, ich habe zwei Sklavinnen. Ja, es ist eine 24/7 Beziehung, dennoch sind wir auf Augenhöhe und respektieren einander. Wenn ich allerdings einen Wunsch habe, so ist dieser zu erfüllen, ohne Wenn und Aber.“
„Diese Sklavinnen,“ hakte ich nach „besteht da so etwas wie ein Vertrag, liefern sie sich Ihnen komplett aus?“
„Von Verträgen halte ich nichts, Sie kennen die aktuelle Rechtsprechung dazu sicherlich, also ist das wertloses Papier. Aber ja, auf eine gewisse Weise liefern sie sich komplett aus. Ich habe keine Pfeife, nach der sie tanzen müssen, sie tanzen dennoch und zwar aus freiem Willen. Ich könnte Ihnen da einiges an Geschichten erzählen, aber das würde den Rahmen unseres Gesprächs hier sprengen.“ Sie zögerte „Soviel Zeit habe ich für dieses Interview nicht und es wären auch nur Anekdoten…“ Wieder dieses sanfte Timbre, diese Nachdenklichkeit und sicherlich auch Weisheit. Ich räkelte mich innerlich vor Wonne und würde steif und fest behaupten, in genau dieser Sekunde meine devote Ader entdeckt zu haben. Alles, aber auch wirklich alles für die Gunst einer solchen Dame. Oh ja, mein Verständnis für die Sklavinnen wuchs mit jeder Sekunde, die ich in ihrer Gesellschaft zubringen durfte, allein der Klang ihrer Stimme und der ruhige, sichere Blick aus ihren Augen, sie gab ganz bestimmt eine wunderbare Herrin ab.
Ich konzentrierte mich etwas mühsam „Hat das Ganze auch etwas mit Geld zu tun?“ fragte ich „Überantworten Ihnen Ihre Sklavinnen auch ihren gesamten Besitz?“
Sie dehnte sich in dem Sessel und nahm eine andere Sitzhaltung ein „Geld spielt hierbei keine Rolle.“ Stellte sie fest und ihr Blick wurde merklich kühler „Besitz auch nicht, ich besitze niemanden und niemand besitzt mich, ich gehöre nur meinen Gelüsten. Meine Sklavinnen sind bei mir, weil sie das so wünschen und weil sie es dürfen, da bedarf es keiner weiteren Regelwerke und Überantwortungen.“
„Warum sind Sie dann zusammen?“ ich konnte meine Neugier nicht zügeln „Etwas muss doch da sein, dass Sie zusammenbringt und zusammenhält?“
„BDSM ist es sicher nicht, „ sie lächelte etwas boshaft „schon mal etwas von Liebe gehört?“ sie streckte sich erneut, sichtlich zufrieden mit ihrer Antwort und fügte hinzu „Packen Sie Ihre Schubladen weg ist meine Empfehlung, und suchen Sie an anderer Stelle nach Antworten.“
Sie erhob sich graziös, schenkte mir noch einen letzten ebenso bedauernden, wie kristallgrünen Blick und verließ dann grußlos mein Büro.
Etwas unvermittelt finde ich ins Hier und Jetzt zurück. Himmelherrgott!!! Soeben habe ich meine Katze interviewt und dabei noch eine Menge gelernt…
Tag 96 meiner intensiven Forschungstätigkeit im Bereich „Schwarze Szene und BDSM“. Bis auf Hinweise zur Thematik der Kommerzialisierung beider Szenen keinen nennenswerten neuen Erkenntnisse. Man könnte sagen, ich drehe mich im Kreis, aber das mache ich natürlich nicht, da mein Bürostuhl mir so etwas gar nicht erst ermöglicht. Seufzend wühle ich in meinen Unterlagen und räume diverse Fachliteratur auf dem Schreibtisch von links nach rechts.
Eine sanfte Berührung an meiner Schulter schließlich zwang mich dazu, in die Gegenwart zurückzukehren. Ich schaute auf. Da stand sie, ganz in schwarz, kristallklare grüne Augen musterten mich, sie lächelte ein Raubtierlächeln.
„Das Interview?“ sie schnurrte förmlich, ihre Stimme sanft und dunkel und unendlich weich.
„Äh ja, sicher,“ stammelte ich „bitte nehmen Sie doch Platz.“ Ich antwortete verdutzt, zeitverzögert und unelegant, so kenne ich mich eigentlich gar nicht, behaupte zuweilen sogar recht eloquent zu sein. Ich gebe es zu, die Dame übte einen ganz besonderen Reiz aus. Sie sank in den Sessel mir gegenüber (hinsetzen wäre ein zu ungeschickt gewählter Begriff), so selbstverständlich, als würde er ihr gehören. Ellenlange schlanke Beine wurden elegant übereinander geschlagen und wieder schenkte sie mir einen fast herausfordernden Blick und ein unergründliches Lächeln. Instinktiv verzichtete ich auf die üblichen Präliminarien, dieser Dame einen Kaffee zu offerieren würde fast schon an Frechheit grenzen.
„Worum geht es denn?“ erkundigte sie sich sanft. Oh diese Stimme, in der hätte ich mich einkuscheln mögen. Ich räusperte mich „Es geht um BDSM und die Schwarze Szene.“ antwortete ich auf ihre Frage und war mir einmal mehr bewusst, dass meine Eloquenz offensichtlich gerade Urlaub auf den Malediven, oder besser noch, im Bermudadreieck machte.
„Was genau möchten Sie denn wissen?“ fragte sie neugierig weiter „Schwarz bin ich ja, wie man sieht…“ sie strich sich sinnlich an ihrer Hüfte entlang, ich seufzte innerlich. „Aber BDSM?“ sie zögerte „Vielleicht können wir das gemeinsam klären?“
„Gern“ antwortete, immer noch elektrisiert von ihren ebenso eleganten wie erotischen Bewegungen „Würden Sie sich persönlich sowohl als schwarz wie auch als Mitglied der BDSM-Szene sehen?“ „Diese Medaille hat zwei Seiten, „sie lächelte fein „ devot bin ich sicherlich nicht, masochistisch schon gleich gar nicht. Ich bin der Hingabe durchaus fähig, aber nur, wenn ich das will.“
„Also würden Sie sich eher als dominant bezeichnen, als diejenige, die die Kontrolle hat?“
„Absolut. Ich halte genau das für eine Naturbegabung, das kann man nicht lernen, das ist man oder man ist es eben nicht. Ich erhebe meine Stimme nicht, ich schwinge keine Peitsche, dennoch bin ich diejenige, der man sich unterordnet.“
„Wie leben Sie das?“
„Nun, ich habe zwei Sklavinnen. Ja, es ist eine 24/7 Beziehung, dennoch sind wir auf Augenhöhe und respektieren einander. Wenn ich allerdings einen Wunsch habe, so ist dieser zu erfüllen, ohne Wenn und Aber.“
„Diese Sklavinnen,“ hakte ich nach „besteht da so etwas wie ein Vertrag, liefern sie sich Ihnen komplett aus?“
„Von Verträgen halte ich nichts, Sie kennen die aktuelle Rechtsprechung dazu sicherlich, also ist das wertloses Papier. Aber ja, auf eine gewisse Weise liefern sie sich komplett aus. Ich habe keine Pfeife, nach der sie tanzen müssen, sie tanzen dennoch und zwar aus freiem Willen. Ich könnte Ihnen da einiges an Geschichten erzählen, aber das würde den Rahmen unseres Gesprächs hier sprengen.“ Sie zögerte „Soviel Zeit habe ich für dieses Interview nicht und es wären auch nur Anekdoten…“ Wieder dieses sanfte Timbre, diese Nachdenklichkeit und sicherlich auch Weisheit. Ich räkelte mich innerlich vor Wonne und würde steif und fest behaupten, in genau dieser Sekunde meine devote Ader entdeckt zu haben. Alles, aber auch wirklich alles für die Gunst einer solchen Dame. Oh ja, mein Verständnis für die Sklavinnen wuchs mit jeder Sekunde, die ich in ihrer Gesellschaft zubringen durfte, allein der Klang ihrer Stimme und der ruhige, sichere Blick aus ihren Augen, sie gab ganz bestimmt eine wunderbare Herrin ab.
Ich konzentrierte mich etwas mühsam „Hat das Ganze auch etwas mit Geld zu tun?“ fragte ich „Überantworten Ihnen Ihre Sklavinnen auch ihren gesamten Besitz?“
Sie dehnte sich in dem Sessel und nahm eine andere Sitzhaltung ein „Geld spielt hierbei keine Rolle.“ Stellte sie fest und ihr Blick wurde merklich kühler „Besitz auch nicht, ich besitze niemanden und niemand besitzt mich, ich gehöre nur meinen Gelüsten. Meine Sklavinnen sind bei mir, weil sie das so wünschen und weil sie es dürfen, da bedarf es keiner weiteren Regelwerke und Überantwortungen.“
„Warum sind Sie dann zusammen?“ ich konnte meine Neugier nicht zügeln „Etwas muss doch da sein, dass Sie zusammenbringt und zusammenhält?“
„BDSM ist es sicher nicht, „ sie lächelte etwas boshaft „schon mal etwas von Liebe gehört?“ sie streckte sich erneut, sichtlich zufrieden mit ihrer Antwort und fügte hinzu „Packen Sie Ihre Schubladen weg ist meine Empfehlung, und suchen Sie an anderer Stelle nach Antworten.“
Sie erhob sich graziös, schenkte mir noch einen letzten ebenso bedauernden, wie kristallgrünen Blick und verließ dann grußlos mein Büro.
Etwas unvermittelt finde ich ins Hier und Jetzt zurück. Himmelherrgott!!! Soeben habe ich meine Katze interviewt und dabei noch eine Menge gelernt…