@Alle: Einleitend möchte ich mich bei allen Mitlesenden, für meine Schlusswort entschuldigen. Es ist kein schöner Stil, und sollte in einer Diskussion auch so nicht ohne Weiteres vorkommen, aber das dargelegte Verhalten konnte ich nicht schöner umschreiben.
@AmatorPhasma: Lass Dir ruhig Zeit, es ist ja ein "Hobby" und keine betriebsrelevante Terminarbeit.
Und eine runde Diskussion ist ein tolles Weihnachtsgeschenk.
Nun, ich habe selber keine Kinder, jedoch hat mein Bruder zwei und meine Freundin und ich sind seit neustem beide Paten eines niedlichen Geschwisterpaares. Außerdem können mir meine Eltern sehr bildhaft berichten, wie es in solch einer Großfamilie abgeht.
Das Kinder, mehr Arbeit bedeuten, als ein 40h/Wochen- Job, bei dem man nach 8 Stunden den Stift fallen lassen kann, ist wohl war. Und gerade das erste Kind ist schon eine besondere Beanspruchung, da man übervorsichtig an die Sache heran geht, und versucht 24h am Tag das Kind nicht aus den Augen zu lassen, und jeder Schrei die Überlegung im Hinterkopf aufflammen lässt, jeden Moment ins Krankenhaus fahren zu müssen. Aber wenn man man nicht vollkommen labil ist, und sich auch vor seinem Kindersegen schon mal mit dem Thama Kind beschäftigt hat, findet man bald heraus, dass so ein Baby doch erschreckend robust ist, und das es durchaus Phasen gibt, in denen man nicht unter Strom stehen muss.
Wenn das zweite Kind dann da ist, stellt man fest, wie einfach so ein Kleinkind eigentlich zu handhaben ist. Denn es ist das 2-3 Jährige Kind, das einen den ganzen Tag auf den Beinen hält...
Aber auch das bekommt man mit einiger Routine in den Griff. Irgendwann kommt dann der Punkt, an dem die älteren Kinder sich mit um die Jüngeren kümmern. -Eine
rhythmische und verantwortungsbewusste Erziehung vorausgesetzt- Das bedeutet aber nicht, das die älteren Kinder keine Kinder sein dürfen, oder dass die Eltern sich nur noch um sich kümmern. Es bedeutet einfach, dass die Last auf mehrere Schultern verteilt wird. Im Regelfall, so kenne ich es zumindest aus Kreisen von größeren Familien, kommen da auch noch die Großeltern, Onkeln und Tanten und etwaige nahe Bekannten gerne mal aushelfen.
Es bedarf da sicherlich einer großen Portion organisatorischen Talents und ein ordentliches Maß an Feingefühl, aber wenn man so eine Familie haben will, und diese Grundvoraussetzung mitbringt, ist es in meinen Augen durchaus machbar. Und Ja, ich glaube auch, dass man in so einer Aufgabe aufgehen kann.
Genauso wie ich weiß, dass es Leute gibt, die ein gutes Geld als Kanalbauer und GWS- Installateur verdienen, aber auch in ihrem Job aufgehen. Für die ist das Fäkalienwarten ein Bestandteil, des Jobs, der nicht immer angenehm ist, der aber dazu gehört, und auch die eine oder andere Anekdote hervor bringt.
Wenn die Eltern so wenig Freizeit haben, wo kommen die ganzen Kinder her? Glaubt ihr daran, dass die alle 18 Monate bei gelöschtem Licht, unter der Bettdecke, die Rute einmal auf den Busch hauen und Zack! ist wieder eine Eizelle getroffen?? Die beiden wären ein statistisches Wunder.
Ist jetzt ein dünnes Beispiel, aber mehr gibt der Bericht über die beiden nicht her. Zumindest nicht genug, als dass ich mir anmaßen würde ein irgendwie geartetes Urteil zu leisten, ausser: Wow, das ist eine große Anzahl Kinder!"
Bei deiner Argumentation bzgl. der Selbstverwirklichung, Sencja, frage ich mich, ob es irgendwo einen Mindestsatz an zu verbringender Freizeit gibt, den man erfüllen muss, um als Gesund gelten zu dürfen?
Der Dönerbudenbesitzer bei mir um die Ecke, gehörte dann wohl eingewiesen, da er den Laden jetzt seit ende August betreibt, ohne einen Tag Pause zu machen. Aber wenn man Ihn darauf anspricht, meint er es macht ihm einfach Spaß. Er habe sein Hobby zum Beruf gemacht, und fände es toll Essen zuzubereiten, sich mit seinen Kunden zu unterhalten und sich um SEINEN Laden zu kümmern.
Vielleicht neigt er ja zur Realitätsflucht.
In der Werbung wird eine Familie gerne mal als Unternehmen dargestellt. Warum soll also das Unternehmen Familie die Hauptgesellschafter weniger beanspruchen als jeder andere Betrieb, in dem die Gesellschafter 24/7 aktiv sind?
Wieso ist jeder, der heutzutage aus dem "Schema F" heraus fällt, gleich psychisch gestört, depressiv und im Idealfall selbstzerstörerisch. Und wieso wird da mit so vielen verschiedenen Maßen gemessen?
Ich bin mir sicher ich weise mindestens 12 Charakteristika eines potentiell depressiven, der Realität entfliehen wollenden, sich maßlos selbst überschätzenden Irren auf. Aber ich gefährde niemanden. Nichtmals mich selber, und ich fühle mich gut in meiner Haut so wie ich bin. Einfach, weil ich denke, dass ich so wie ich bin einzigartig bin. Und auch genau dass bleiben will.
Das Board ist für einen Schlag Menschen geschaffen worden, der von sich behauptet, aus dem gemeinen Schema herraus zu fallen. Sind die alle der Realitätsflucht schuldig? Brauchen die alle eine Therapie, nur weil sie sich über andere Dinge definieren als die Bildzeitung es uns empfehlen möchte?
Den Teil mit der Reife und dem Wissen verstehe ich nicht. Willst du damit, sagen, dass die Mutter einer Großfamilie, oder eine sonst wie viel beschäftigte Person, nicht mehr reift und auch kein wissen mehr erlangen kann?
Die Pro- Argumente kann ich dir von meiner Warte auch nicht nennen. Es ist aber auch nicht mein Ziel.
Mir geht es in dieser ganzen Geschichte nicht darum zu sagen, dass mehr Leute 10+x Kinder haben sollen. Ich sage ja auch nicht, das jeder Architekt werden soll. Es geht mir einzig und allein darum, dass ich es erschreckend finde, und kein Verständnis dafür aufbringen kann, dass man Leute die mehr als die durchschnittlichen 1.8 Kinder haben schräg angeschaut werden, und Leute die diesen Rahmen auch noch sprengen als Schmarotzer oder psychisch Krank beschimpft werden.
Es gibt eine Menge Argumente gegen so viele Kinder. Da wäre die hohe finanzielle Belastung, die Kinder mit sich bringen. (Ja, auch Kinder- und Elterngeld gleichen dass nicht aus, wenn man sozial nicht absteigen will) Der fehlende Rückhalt, den das nahe Umfeld aus unterschiedlichsten Gründen nicht geben kann oder will. Gesundheitliche Risiken die auftreten können. Und nicht zu Letzt das Bild, das in der Öffentlichkeit über solche Großfamilien verbreitet ist.
Aber mit Ausnahme der gesundheitlichen Risiken (die man jedoch abwägen kann) sind die Contras alle samt gesellschaftlicher Natur. Was für mich bedeutet, dass man durchaus persönliche Gründe dafür finden kann viele Kinder haben zu wollen. Und wenn man sich selber in der Lage sieht solch einen Organisatorischen Kraftakt zu stämmen, und es will, warum denn nicht.
Was den pädagogischen Auftrag des Elternhauses angeht, wüsste ich nicht, warum die Eltern nicht in der Lage sein sollen diesen zu erfüllen? Um genau zu sein, müsste ich diesen erstmal definiert haben.
Wenn ich mich mal so im weiteren Bekanntenkreis umschaue ist einer der Hauptaufträge wohl, die Kinder so effektiv wie Möglich ruhig zu bekommen, bis man sie dann wieder auf den Kindergarten oder die Schule loslassen kann. Spielekonsolen und Fernseher erweisen sich da als sehr hilfreich. (Und ich habe 13 lange Monate in einem Kindergarten gearbeitet, um das beurteilen zu können)
So definiert, wird ein solches Elternhaus dem Auftrag nur schwerlich nachkommen können, da das Platz- und Geldbedürfnis für eine solch hohe Anzahl an Konsolen und Fernseher einfach zu groß ist.
Wenn es aber darum geht ein harmonisches miteinander zu fördern und ein gewisses Maß an Verantwortungsbewusstsein zu wecken, da gebe ich diesen Familien eigentlich gute Chancen, da an sonsten sehr bald die Familienfürsorge auf der Türschwelle steht, und erwägen könnte die Kinder in Pflegefamilien zu stecken.
Abschließend möchte ich noch eins los werden:
Wer, mein hochgeschetzter Sencja, gibt Dir das Recht darüber zu urteilen, dass diese Frau es nötig hat sich in
"professionelle Hand" zu begeben. SIch gar
"verurteilungswürdig" verhält.
Erst schreibst Du,
"Ob die Mutter wirklich psychisch krank ist oder nicht," könnten wir nicht beurteilen, und beendest denn abschnitt dann mit so einer Aussage? Ich leide an einer gehörigen Portion Selbstüberschätzung, aber für so eine blasierte und überhebliche Aussage bleibt mir wirklich nur noch, ein Wort über, dass umgangssprachlich das letzte Ende des Verdauungtraktes beschreibt .