Gothic - Sein oder nicht Sein - aber was ?

AmatorPhasma
Es ist ein immer wieder interessantes Thema wie Menschen die Gothic-"Szene" beschreiben - sie
Definieren.

Also Ich persönlich lasse es immer sehr offen, es gibt einfach Vieles und Nichts was die
Gemeinsamkeiten von Gothics verbindet.

Es gibt keine einheitliche Ideologie, keine einheitliche politische Anschauung, die meisten würden
zwar sagen das "Gegen rechts Außen sein" aber isst das so? Ich kenne viele die sich selbst
ehr als "Neutral" Bezeichnen würden - zumal "Gegen rechts Außen sein" nicht wirklich etwas
besonderes ist was eine Szene prägt...

Die Musik, auch sie verbindet "uns" nicht wirklich, sehr viele Nuancen unterschiedliche Genre, nicht
jeder hört alles, hier und da eine Überschneidung von Zufällen, aber keine Einheit.
Der eine hört EBM, Industrial - der andere EBM und Ambient - ein anderer wiederum Batcave und
Industrial... "keine Einheit!"

Spirituelle Weltanschauung, auch hier findet sich keine Einheit, die einen sind Christen, die anderen
Juden, einige bezeichnen sich als Heiden, andere haben ihre eigenen Konstruktionen, und dann gibt
es noch jene die nicht Glauben und jene "Tec-Goth's" wie mich die nur Wissen wollen, für die nur
die aus der Natur entlockten Gesetzmäßigkeiten und temporären Erkenntnisse von Bedeutung
sind.


Letztlich gibt es in meinen Augen nur eine Verbindung "Individualität"... schwarz anziehen kann sich
doch jeder



Was meint Ihr?
Seschat
Es gibt ja so den schönen Spruch "Es gibt keine Szene"

Ich glaube das einzige, was alle Schwarzkittel irgendwie verbindet, ist das Abwenden vom Mainstream. Als Basis, die sich noch mit dem Ursprung im Punk vereinen lässt.
Der Konsumgesellschaft den Rücken kehren, sich dem Kommerzzwang widersetzen und sein eigenes Ding drehen.
Das Schwarzvolk entsprang ja irgendwann in den 80igern dem Punk.

Nun... sagen wir es so... diese schwarze Rebellion hat sich auf einem anderen Niveau fortgesetzt. Im Kleidungsstil, im Musikstil, Sichtweisen. Klar, schaut man sie sich direkt an bestehen dort eigentlich riesige Unterschiede. EBM hat wenig mit Mittelalterrock zu tun... aber beide haben eines gemein... es sind Stile Abseits von MTV und VIVA.

Und so... hmpf... denken fällt mir grad schwer. Evtl. äußere ich mich später noch detaillierter dazu. Jetzt brauch ich erstmal nen Tee... -.-
kivio
Das Forum Sexualaufklärung (ja, wattet nich all jibt) meint dazu:

Keine andere Szene präsentiert sich so offen erotisch aufgeladen: Seitdem Szene-Bands wie Umbra et Imago oder Die Form ihre Zugehörigkeit zur S/M-Szene offen auf die Bühnen trugen, avancierte Fetischmode zur gängigen Streetwear der Gothics. Außenstehende empfinden den Stil der Schwarzen häufig als Provokation. Und das, obwohl Gothics selbst in großen Gruppen in der Regel eher stille, introvertierte Wesen sind, die sich weder prügeln noch öffentlich lautstarke Gesänge oder Parolen anstimmen. Doch ihre schwarze Ästhetik wirkt inmitten der bunten Vielfalt der Warenwelt wie ein störender Schmutzfleck; sie widersprechen allein durch ihre androgyne Präsenz den gängigen Jugend-, Schönheits- und Körperbildern. Sie wirken alt(ertümlich), konfrontieren uns passers-by mit der Vergänglichkeit des Lebens und unterlaufen damit subversiv - nicht aggressiv - die Verdrängungssehnsüchte der Gesellschaft.

Quelle: http://forum.sexualaufklaerung.de/index.php?docid=880 (30.05.08)
Synapsenpogo
Zitat:
Original von Seschat
Es gibt ja so den schönen Spruch "Es gibt keine Szene"

Ich glaube das einzige, was alle Schwarzkittel irgendwie verbindet, ist das Abwenden vom Mainstream. Als Basis, die sich noch mit dem Ursprung im Punk vereinen lässt.
Der Konsumgesellschaft den Rücken kehren, sich dem Kommerzzwang widersetzen und sein eigenes Ding drehen.
Das Schwarzvolk entsprang ja irgendwann in den 80igern dem Punk.


Und nicht mal das ist ein gemeinsames Kriterium denn es gibt genug Goten, die einem "Szenemainstream" nachhängen, lieblos produzierte Musik kaufen und überteuerte Klamotten bestellen.
Da funktioniert nur das Marketing anders, Kommerz ist es trotzdem.
Kritische Positionen hast du oft auch nicht mehr, da viele Nachwuchsgoten genau so hohl konsumieren wie der Normalsterbliche.
Die Szene bildet einen normalen Querschnitt durch die Gesamtbevölkerung.
Alle Intelligenzstufen, alle politischen Ausrichtungen etc.
Nix Besonderes, nur anderes Auftreten.
Inquisition Symphony
Na irgendwas haben sie dann doch Gemein, die lieben Gothen.
Sonst gäbe es ja keine Herdenbildung.

Mein Theorie ist, dass es etwas mit Selbstfindung und Selbstempfindung zu tun hat.
Ein herausfiltern und die bildung einer eigenen Identität und da der Mensch ein Herdentier ist, gibts eben viele Gothen.
Ansonsten sind das genauso Menschen wie die "Hip-Hopper", die Metaller, die "Normalos" die Neo-Nazis, die "Visus" oder die Folterknechte in Guantanamo.
Sie haben nur ein anderes ästhetisches Empfinden, sowie andere Interessen.

Das ist als würde man Fragen:
Warum magst du kein Schnitzel?
AmatorPhasma
Vielleicht ist genau das die Gemeinsamkeit, eben nichts zu 100% gemeinsam zu haben!

Die Linken, sind alle Links
Die Rechten, alle Rechts
Die Baptisten / Christen / Juden / Moslems, alle Verrückt... ÖHM ich meine naturlich Gläubig

und die "Goten", sie sind eben alle.... ohne 100% Gemeinsamkeit
Synapsenpogo
Doch, sie haben eins gemeinsam:

Sie glauben alle sie wären was Besonderes und das sind sie eigentlich nicht.

(wer Sarkasmus findet darf ihn behalten *gg*)
AmatorPhasma
Zitat:
Original von Synapsenpogo
(wer Sarkasmus findet darf ihn behalten *gg*)


Mhh... lecker...
ishozar
Ich denke die Gemeinsamkeit ist, dass man von "Außenstehenden" zum Gothic gemacht wird
AmatorPhasma
Zitat:
Original von ishozar
Ich denke die Gemeinsamkeit ist, dass man von "Außenstehenden" zum Gothic gemacht wird

Genau das könnte es sein
ishozar
Zitat:
Bei meinem ersten DJ-Abenteuer in der Schweiz wurde mir von einem eigenwillig gekleideten, sichtlich pikierten Menschen die Frage gestellt: "Was hat das Lied mit Gothic zu tun?" Es lief gerade "Coldplay", meine Antwort: Was haben 60% der hier anwesenden Gäste mit Gothic zu tun? Was hat "Agonoize" mit Gothic zu tun?

Der Mann verschwand wortlos, vermutlich lag es daran, dass er keine wirkliche Antwort darauf wusste.
Ist Gothic inzwischen wirklich NUR noch aggressives Gestampfe mit inhaltsleeren plakativen Texten? Ist die Toleranz innerhalb dieser Szene gegenüber anderen musikalischen Strömungen inzwischen wirklich so niedrig, dass man sich als DJ mittlerweile rechtfertigen muss, was man spielt? Mir scheint, es herrscht inzwischen schon fast ein musik-politischer Fraktionszwang, die einen hören NUR "Gestampfe" und ALLES ANDERE ist unhörbar, da "melodieverseucht", oder es wird nur DIE EINE ART gehört, da das ANDERE deren Konsumentenfraktion missfällt.
Eigentlich bin ich immer davon ausgegangen, dass kulturelle Vielfalt etwas inhaltlich bereichert, inzwischen fürchte ich, dass genau das Gegenteil von vielen aktuellen Szenegängern gewünscht wird, 4/4 Takt, böse Schlagworttexte die jeder versteht, auch jene mit einem unteren Bildungslevel, und klar definierte Rahmen was man gut bzw. nicht gut zu finden hat. Gruppenzwang der Neonfraktion, das scheinblutige Vampirkollektiv, die Mittelalterhüpfer und die Batcavefraktion, grenzen sich brav voneinander ab. Mischkonstellationen werden höchstens im privaten Rahmen geduldet, beim Knutschen, Küssen und Kopulieren.
Die EBM-Fraktion scheint inzwischen sowieso mehr oder weniger ausgestorben zu sein, überaltert, da Ü30, und somit dem Sofakollektiv zugehörig? Überhaupt fehlt inzwischen jene Generation, die auch mit Joy Division, Sisters, Cure und Depeche Mode groß geworden ist.
Schade eigentlich, aber wohl auch selbstverschuldeter Rausschmiss, denn wenn man nicht mehr weggeht darf man sich auch nicht wundern, dass Andere die freigewordenen Plätze einnehmen.

Szenerassismus ist eigentlich etwas Erschreckendes und steht eigentlich so gar nicht für das, wieso sich diese schwarze Szene irgendwann zusammengefunden hat. Ging es nicht darum sein "Anderes sein" mit Gleichgesinnten auszuleben und ein bestimmtes Lebensgefühl in Form von Kleidung, Musik und Intellekt zu vermitteln. Provokation war gewollt aber man reduzierte sich nicht NUR darauf zu provozieren sondern hatte auch eine Meinung und vor allem Geschmack. Das böse F-Wort tauchte nicht in jedem sogenannten Szenehit auf und war damals noch kein Garant dafür, einen scharzgekleideten Mob zum Tanzen zu bringen, oder wie auch immer man diese Art sich zu bewegen definieren mag. Was mir persönlich fehlt ist, dass sich das Publikum nicht mehr auf Stimmungen einlassen möchte, nicht mehr daran interessiert ist einen ganzen Abend zu erleben, sondern nur noch ein zeitlich begrenztes Abzappeln erwünscht ist. Möglichst unter Gleichgesinnten, sich selbst limitierenden Elitegruftis, die weniger Toleranz als Fallobst besitzen.


Quelle
Synapsenpogo
Henke hat es auf den Punkt gebracht.
InMyWinter
womit wir natürlich bei dem problem sind, ob eine szene überhaupt tolerant sein darf, wenn sie auf dauer bestand haben will und in wie weit sie von ihren ursprünglichen idealen abweichen kann, um sich nicht selbst ad absurdum zu führen.
wenn wir die schwarze szene auf gemeinsamkeiten überprüfen würden, dann hätten wir sicher enorme Probleme, die sich alleine schon aus den ganzen spielarten der musik ergeben. auch vom ehemals hoch gelobten intellektuellen austausch und der liebe zur lyrik, bleibt wohl nicht mehr übrig als woanders auch. auch wenn ich es persönlich recht spannend finde, dass hier vielerlei ideen und menschen zusammenkommen, so wird die gothicszene dadurch eher schwächer, denn so viele unterschiedliche lebensanschauungen kann man nur schwer unter eine szene packen, die sich nach außen mit einem "konzept" präsentieren will. ich fürchte eher, dass diese sparte der schwarzen szene auf dauer verschwindet und sich alles auf dauer "neutralisiert". alleine die tatsache, dass wir hier diese diskussion führen ist ein zeichen dafür, dass wir nicht mehr wirklich wissen wer und was wir sind.
AmatorPhasma
@InMyWinter:
Zitat:
"(...)dass wir nicht mehr wirklich wissen wer und was wir sind"

Das ist wohl so! - auf das "wir" bezogen in der "Wolke" namens "schwarze Szene", aber macht es das nicht auch spannend? - "wir" die Frage ist -ja- gibt es dieses "wir" überhaupt?

Also wenn ich so Reflektiere warum ich mich im Bereich der "Gothic-Szene" bewege so liegt es sehr stark an der Musik, und an der persönlichen Erfahrung von Toleranz bzw. Akzeptanz - es gibt Beispiele da ist diese Szene "Toleranter" als z.B. die allgemeine "Schwulen-Szene" - (ist schon wunderlich, das die "Schwulen-Szene" nicht gerade sehr Tolerant ist, aber das wäre ein anderes Thema)

Andererseits gibt es auch viel was mich von der -ich nenne es jetzt mal- Ideallinie des "Gothic" unterscheidet, so ist es z.B.: das es zu einem "Gothic" gehören solle - das er den Tod akzeptiere, mit diesem Gedanken werde ich mich wohl "ehr" nicht anfreunden können... - doch ich setze mich trotzdem oder gerade deswegen sehr gerne mit dieser Thematik - wissenschaftlich -sofern möglich- wie philosophisch - auseinander...

Der Hang zu "schwarz" war auch vor meinem Ausflug in die "Szene" da, selbst meine Rüstringe...
nebenbei kann man mich sogar in ganz "weiß" herumlaufen sehen, dann allerdings auch weißer Lippenstift, usw... also alles einmal umgekehrt...

"Die Blicke sind immer wieder amüsant "

Fazit: wenn ich Reflektiere, weiß ich genau wer ich bin, die Frage ist nur, wenn man sie stellen möchte, wo man mich einordnen könnte... wer sind "wir"?
Brannon
Also ich denk mal, dass "Gothic" eine der vielen Schubladen ist, die mal irgendwann zu irgendeiner Zeit gegründet wurde.

Die schwarzen Jungs und Mädels grenzen sich dadurch von anderen "Szenen" ab, dass diese ihren Kleidungsstil auf der Grundlage schwarz aufbauen und ein eher düsteres Wirken -durch die Musikart, Kleidung,... - auf andere haben!

Und doch hat jeder sein eigenen Stil, kombiniert aus den Eigenschaften der "Gothic-szene"
Lynn
ich weis jan ich t ob hier noch jemand aktiv ist aber, ich hab mir das grad mal durchgelesen und fand das alles seh interesannt, da ich mir auch öfter die fragestelle "was bin ich" bzw. welcher szene gehöre ich an, worein kann man mich einordnen.... ich habs bis heute nicht geschafft
fest steht, ich habe angefangen schwarz zu tragen weil ich von anderen menschen nciht "gesehn" werden wollte. ich wollte mich nicht abgrenzen oder provizieren ich wollte mich nur sozusagen im schatten verstefcken und von niemandem gefunden werden. das ergebnis war dan, das im schatten noch 20 andere schwarz gekleidetet rumstanden (jetzt mal bildlich gesprochen) die mich dan unter ihre fitiche genommen haben und so kam ich in die schwarze szene. mein cousin hört house music und ist auch dj, aber EBM mag er auch so find ich hab ich aus allem was ich früher mal mochte was mitgenmmen... ich hör metal, elektro, und spiele leidenschaftlich gerne singstar, wo es meist nur pop-songs gibt. also über meine music lass ich mich nich definieren. ich hab keine ahnung zu welcher szene ich gehöre (siehe meine gesinnung: verwirrt) ichhab einfach nur einen extremen hang zu schwarz und hab in der "goth/grufti- wie-auch-immer-szene eigendlich immer die erfahrung gemacht, das erlaubt ist was gefällt und das da alles sehr tolerant gesehn wird.
Epiphan
Welch Abneigung ich gegen diese Frage habe. O.o

Natürlich kann man das nicht beantworten. Warum auch?
Geprägt ist das ganze irgendwie von einem Zusammenhalt. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regeln.
Auf Festivals, Konzerten, in der Stadt...man ist sich sympathisch & freut sich, Gleichgesinnte zu treffen.

Was mein/unser Aussehen angeht, tun wir das, weil es uns gefällt & nicht, weils irgendeinen Szenekodex gibt, indem geschrieben steht, dass ausschließlich schwarz zu tragen ist.
Wie viele andere habe ich kennengelernt, von denen ich aussehenstechnisch nie erwartet hätte, dass sie sowas hören?

Für mich ist die Szene halt ein Gefühl und der Zusammenhalt, auch wenn man sich halt nicht mit jedem gutstellen kann.
Ich wollte damit nun wirklich keine Rebellion gegen meine sooo normalen Mitmenschen anzetteln, sondern mich schlicht und ergreifend wohlfühlen.
mondfeuer
@Epiphan: Du sprichst mir aus der Seele
Agony
Genauso ist es doch auch im Satanismus. Die einen schwören auf LaVey, die anderen schwören auf dies und jenes und widerum andere sagen, das jeder seinen Satanismus ausleben sollte.

Ich finde das persönlich eher interessant, das es so viele verschiedene Meinungen gibt. Die Frage woher der Zusammenhalt kommt ist doch eher unwichtig, wichtiger ist das es einen gibt.

Agony
Silencio
huhu,

unzwar bin ich beim Serven auf einen Link gestossen mit einem Video zu verschiedenen Gothic Kulturen, wo sie einem nahe gebracht werden und erklärt werden.

Einmal hier schauen: http://www.youtube.com/watch?v=GzNV6Xk70u8&feature=related

Nun ist natürlich meine Frage... erstens fehlen dazu natürlich Dinge wie Cyber Gothic die auf jeden Fall als eigenständige Szene muss man schon sagen exestieren..

Ob ihr glaubt das man Gothic in diverse unterschiedliche Sparten wirklich einordnen kann oder ob man es teilweise doch eher allgemein sehen sollte? Ich mein durch die Kommentare da alleine wird sogar noch eine "Splittergruppe" die sich auf Werwölfe bezieht vorgestellt.. aber wie haltet ihr das? seht ihr es ähnlich das es viele Subkulturen gibt kennt ihr evtl. noch mehr die nicht auftauchen?

Oder seit ihr der Meinung Gothic ist Gothic und sollte nicht klassifiziert werden?

Ich für meinen Teil bin in mancher Hinsicht gerade ziemlich darüber am grübeln, ob man es sollte oder nicht.. denn bisher war mir in dem Sinne halt nur die unterteilung... Mittelalter, Gothic, Cybergothic am geläufigsten.. und ich selber bin mir nicht sicher ob man weitere klassifizierungen so deutlich darstellen sollte oder nicht...

gez. Silencio