Man sollte hier auch differenzieren zwischen der Hartz 4 Reform und dem, was daraus geworden ist: ALG2. Der Staat hat sich eine Reform geschnappt, die an sich funktioniert und in Ordnung war, passte diese an die eigenen Vorstellungen an und setzte die Unterschriften darunter. Dass es nicht funktionieren kann, weil man die Reform zur Unkenntlichkeit abgeändert hat, wollen die Politiker bis heute nicht sehen.
Da ich selber schon Hartz 4 bekommen habe, habe ich dementsprechend auch "nette" Erfahrungen sammeln können. Man bekommt 3 Monate lang Stellengesuche zugeschickt, für die man sich eingetragen hatte. Für diese Stellen muss man sich bewerben! - kein Problem. Macht man das immer fleißig und sucht sich noch weitere Stellen raus, ja dann sieht es gut aus. Problem ist, wenn es keine Stellen gibt! Dann bekommt man nach 3 Monaten Stellengesuche für andere Berufe zugeschickt, bei denen es gleichgültig ist, ob man denn nun diesen Beruf besetzen will oder nicht.
Das Problem dabei ist: Wenn ich als Softwareentwickler eine Stelle suche, dann habe ich keinen Bock einen Job als Finanzrechner oder als Sekretär auszuführen. Das entspricht weder meiner Bildung, noch meiner Kenntnisse. Was weiß ich denn über BWL?
Den Leuten vom Jobcenter ist das egal. Bewirbst du dich und wirst angenommen, musst du dort arbeiten. Dass das nur schief gehen kann, ist denen wurschd!
Das nächste Problem an dem System ist die Bewerbungsflut. Ich wurde am Ende dazu gezwungen, jeden Monat mindestens 30 Bewerbung schriftlich abgzuschicken. Der Nachweis, dass man es getan hat, verstößt meiner Meinung nach gegen das Persönlichkeitsrecht, aber egal. Zumindest kann man rechnen, dass eine Bewerbung 5€ kostet. Das sind also 150€ im Monat. Natürlich bekommt man das Geld zurück, doch erst 4 bis 8 Wochen später! Soll heißen, von den 315€, die ich monatlich zum leben habe, gehen 150€ für Bewerbungen drauf. Bleiben noch 165€. Nun werde ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, okay, sagen wir es sind 5 Gespräche. Pro Fahrt 2,20€, das macht pro Gespräch 4,40€. Das sind insgesamt weitere 22€. Bleiben mir noch 143€ zum leben.
Die Stromkosten werden übrigens nicht von ALG2 übernommen. Soll heißen, man zahlt noch (mindestens) 43€ monatlich an Strom. Bleiben also 100€ um sich Kleidung zu kaufen, Essen und trinken. Ja, I werd deppard!
Es gibt sicher solche Leute, die sich eifnach nur ausruhen. Doch ich kann wirklich sagen, da ich mit vielen zu tun hatte, dass man nach 3 bis 6 Monate in ein Loch fällt. Man gibt sich selber auf, man gibt seinen Glauben auf. Man hat Panik, man hat Angst, zu einem Vorstellungsgespräch zu gehen und wieder eine Absage zu bekommen. Das ist der psychische Druck, unter dem viele zusammenbrechen. Hier wird man nicht betreut, obwohl es wichtig wäre. Das sollte man dann miteinbeziehen, wenn man darüber redet, dass sich viele darauf nur ausruhen. Sind sie wirklich asozial oder haben sie nur panische Ängst, wieder abgelehnt zu werden?