[Geschichte] Schizophren

Séncja
Den Text habe ich vor 1,5 Jahren geschrieben. Eigentlich wollte ich die Grammatikfehler und die stillistischen Unzulänglichkeiten beseitigen, weil es ab der Mitte des Textes nicht mehr sonderlich sauber geschrieben ist. Allerdings bin ich nie dazu gekommen und stelle daher mal die unbearbeitete Version ins Forum.

Die Geschichte ist reine Fiktion! Wehe jemand kommt auf die Idee, zu glauben, ich hätte wirklich jemanden enthauptet!



Schizophren

Er kniete. Der Geruch von Kot und Urin stieg ihm in die Nase. Kalter Schweiß bedeckte seine Stirn. Noch einmal wendete er seinen Blick ab vom Bazillentreffpunkt des Nachtclubs. Der Raum war im guten Zustand. Erstaunlich, wenn man bedenkt, wie der Rest des Schuppens aussieht. Die Toilette, in der er sich befand, hatte sogar Fliesen. Im gesamten Gemäuer gab es nicht mal einen Teppich oder gar einen Boden, doch hier gab es Fliesen. Eingetrocknetes Blut klebte an ihnen, verziert mit ockergelben Spritzern, die ebenfalls nicht frisch waren. Die ockergelben Brocken, welche schon langsam zur Einrichtung gehörten und ebenfalls an den Wänden zu finden waren, ließen auf eine erfolgreiche Verkaufstrategie der Bar schliessen. Oder vielleicht lag es auch daran, dass es im gesamten Schuppen keine Fenster gab?
Schwindelgefühl. Kalter Schweiß. Michael kotzte in die Toilettenschüssel, vor der er kniete. Während er das wärmende Gefühl, aufwärts seines Magens zum zweiten Mal genießen darf, fragte er sich, warum die Toilettenbrille nicht hochgeklappt war. Bazillen sonderte er im Moment gerade zu genüge ab, so dass er sich über mangelnde Hygiene einer blanken Toilettenschüssel weniger Gedanken machen müssen, als sein Gesicht da rein zu pressen, wo unzählige fette Ärsche ihre Markierung gesetzt haben. Eine sehr delikate Angelegenheit, wenn man bedenkt, dass sich gut 50% seiner männlichen Kollegen, frei nach einer aktuellen Statistik, ihren Hintern nicht vollständig säubern.
Eine Stimme erklingt hinter der Kabinentür. „Alles in Ordnung?“ Michael stockte kurz und spuckte den letzten verbleibenden Brocken von seinem herrlichen Fischfilet ins Klo. „Heavy Metal!“ krächzte er, während die Galle versuchte, ihm das Bier in einer etwas herberen Geschmacksrichtung zu servieren. Er beugte sich wieder nach vorne und übergab sich ein weiteres Mal. Währenddessen klopfte es gegen die Tür. „Ey, da ist einer am abkratzen!“ erklang die Stimme ein weiteres Mal. Michael hatte jetzt die Wahl. Etwa, er schließt die Kabinentür auf, legte sich auf den Boden und riskiert zu einer gaffenden Attraktion zu avancieren, bis der Krankenwagen eintrifft oder er sammelt nochmal seine letzte Kraft und erhob sich von seiner unterwürfigen Stellung. „Habt ihr mal ein Bier?“ sagte er, während er die Spülung betätigte. Er setzte sich auf und stützte sich gegen die Kabinenwand. Er hörte jetzt mehrere Stimmen, die aufgeregt vor seiner Tür zueinander sprachen. „Deine Stärke ist deine Macht.“ flüsterte er vor sich hin, bevor er die Kabinentür öffnete und in vier verwunderte Gesichter blicken durfte. Michael blickte erst gar nicht genau hin, welche Gestalten er vor sich hatte. Er fixierte die Bierflasche in der Hand einer der Männer, fasste diese und sagte lächelnd beim vorbeigehen: „Kotzen ist kein Heavy Metal!“.
Aus der Toilette getreten, befand er sich wieder im Kellergewölbe. Der Club war im Grunde eine Höhle. Einen Boden gab es nicht. Es war im Grunde nur Stein und Erde. Genauso war die Wand angeordnet. Es wurde wohl auf „düstere Athmosphäre“ gesetzt, anstatt auf Gemütlichkeit. Wen sollte das aber wundern? Was hier zu finden war, war sowieso nur schwarzes Gesocks und besoffene Metaller. Da lohnt sich eine Sanierung nicht wirklich. Und selbst wenn man eine Sanierung in Erwägung ziehen sollte: Wozu? Innerhalb von 2 Monaten würde der Schuppen noch schlimmer aussehen, als sowieso schon. Nur diese Treppe ... Michael starrte herab. Die Treppen waren nicht rechteckig, sondern ebenfalls nur aus einer Mischung von Stein und getrockneter Erde geformt. In seinem Zustand, in dem sein Gleichgewicht im entsagen würde, ist dies wirklich eine große Herausforderung. Allerdings wußte er auch, dass wenn er weiterhin neben dem Pärchen, welches direkt vor der Eingangstür zum Herrenklo poppte, stehen würde, er wohl noch einmal den bitteren Geschmack seiner Galle kosten dürfte. Er nahm also nochmal einen letzten Schluck aus der Bierflasche und warf diese Richtung Herrentoilette, während er den ersten Schritt machte. Erstaunlicherweise ging der Treppenabstieg einfacher, als er dachte. Zwar musste er sich an den Wänden festhalten, welche nicht mehr als 1,5 Meter Abstand voneinander hatten, jedoch schaffte er, sein Gleichgewicht so auszubalancieren, dass er ohne schlimmen Sturz die Treppen hinter sich lassen konnte. Doch kaum tätigte er ein paar Schritte hinfort von der Treppe, schon wurde die Sache mit dem Gleichgewicht ihm zum Verhängnis. Er kippte ungeschickt zur linken Seite über und fiel einem Paar direkt in die Arme. Das selber wäre vielleicht nicht ganz so schlimm gewesen, hätte es nicht als eine Anmache zum Dreier ausgesehen, da das Pärchen sich beim Thema „Mundpropeganda“ nicht gerade zurückhaltend gegeben hatte. „Spinnst du?“ fauchte der etwas ältere Mann, während Michael von seiner Gespielin weggeschubst wurde. Aus reinem Reflex holte Michael mit seiner rechten Faust aus und schlug dem älteren Mann direkt auf die Schläfe. Ohne nachzudenken stellte sich Michael vor dessen Gespielin und schlug ihr mit der flachen Handfläche gegen die Stirn. Der Ping Pong Effekt zeigte Wirkung, denn die junge Blondine knallte mit ihrem Hinterkopf mit voller Wucht gegen die Wand und sackte zu Boden. Nur Blut sah Michael noch an der Wand, als er aus dem Augenwinkel beobachten konnte, die sich sein Gegner wieder erholt hatte und auf ihn zustürmte. Michael konnte nicht mehr verhindern, dass er von einem Queue getroffen wurde und knallte mit der linken Gesichtshälfte gegen die Wand, an der noch das frische Blut der Blondine klebte. Der salzige Geschmack, verbunden mit einem dumpfen Knall, erfüllte seine Wahrnehmung. Doch die Wahrnehmung war nicht getrübt genug, als dass er nicht realisierte, dass er im Begriff war, sich eine Bierflasche zu schnappen. Es ging sehr schnell: Mit der linken Hand stützte sich Michael von der Wand ab, mit der Rechten krallte er sich die Flasche und zog seinem Gegner eine über. Dieser weichte zurück, wodurch Michael Zeit hatte, sein Gleichgewicht zurück zu erlangen und einen weiteren Hieb auszuführen. Dieser Hieb war auch der Letzte, den der ältere Mann erfahren musste. Michael traf ihn knapp oberhalb seines linken Ohres, so dass dieser nur noch zu Boden gehen konnte. Er blieb bewusstlos liegen. Michael hingegen ließ die Bierflasche fallen und suchte seine Freunde auf, mit denen er in den Club gekommen ist.

Michael konnte seine Freunde schnell finden. Das Adrenalin in seinem Blute ließ die Übelkeit verschwinden und brachte das Gleichgewicht ansatzweise wieder zurück. In Michael brodelte es. Die Wut, der Hass, es war noch da. Der Kampf hat seinen Zorn geweckt, doch er versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Mit dem Versuch ruhig zu wirken setzte er einen Fuß vor dem Anderen, nahm seinen Stuhl und setzte sich langsam auf diesen. Seine drei Freunde saßen noch immer am Tisch, lachten und nippten an ihren Bierflaschen. Häßliches Lachen schallte es ihren Mündern, während sie sich niveaulose Witze entgegen lallten, die man wohl nur im betrunkenen Zustand belustigend finden konnte. Doch das störte Michael jetzt nicht. Ihm machte viel mehr die Platzwunde oberhalb seiner Augenbraue zu schaffen, die man zum Glück nicht im schlecht beleuchteten Raum wahrnehmen konnte. Das Blut lief ihm über seine linke Gesichtshälfte. Mit den Ärmel seines Hemdes fuhr er über sein Gesicht. Zwar konnte er ein wenig Blut von seinem Gesicht wischen, doch verwischte er es mehr, als dass er sich seines roten Lebenselixieres entledigen konnte. „Hey Michael. Schau mal! Da ist Michelle mit ihrem neuen Macker!“ entgegnete ihm einer seiner Freunde, was in der Tischrunde ein kollektives Schweigen ausbrechen ließ. Michelle hatte Michael für einen Anderen verlassen. Jeder seiner Freunde wußte, dass Michael daran noch immer zu arbeiten hatte. Diese Tatsache und den Ausspruch seines Freundes konnte nur eines bedeuten: Sein Kumpel hatte eindeutig zuviel Bier intus! Nichts desto trotz drehte sich Michael um und erblickte tatsächlich Michelle mit ihrem neuen Freund, die gerade im Begriff waren, sich an der Bar etwas zu trinken zu organisieren.
Noch immer brodelte die Wut in Michael. Die Schlägerei war noch keine 2 Minuten her, weswegen ihm das Blut erst gar nicht erneut in den Kopf schiessen musste. Der Zorn, sein Hass, waren schon in seinem Kopf, so dass er augenblicklich aufstand und auf Michelle zuging. Von einen seiner Freunde hörte er noch „Michael. Nicht!“, doch für eine Richtungsänderung war es nun zu spät. Michelle hatte ihn schon aus ihren Augenwinkeln gesehen und drehte sich mit finsterer Miene zu ihm herum. Doch Michael wandte sich ihr nicht sofort zu. Zuerst griff er in seine Hosentasche, aus die er sein Messer hervor holte. Im dunklen Licht des Schuppens hatte Michelles Macker keine Chance. Aus vollem Lauf rammte Michael sein Messer in ihn rein. Das Messer drang in einem Winkel von ungefähr 80 Grad in den Hodensack und direkt danach in das Innere von Michelles Liebhaber ein. Zum lauten Aufschrei kam es nicht, da man ein Gerangel an der Bar gewohnt ist. Außerdem packte Michael sofort Michelles Hals und begann sie mit der linken Hand zu würgen. Zusammen mit seiner rechten Hand umfasste er ihren Hals und drückte sie auf den nächsten Tisch. Die Bierflasche, welche sich auf diesen Tisch befand, brachte er schnell zu bruch, ehe er ... -

Ich erwache aus meinem Traum und schrecke auf! Was war das? Was sollte das? Warum träume ich sowas? Ein leises „Fuck!“ geht mir über meine Lippen. Ich schwitze nicht. Ich bin nicht in Panik, sondern beruhigt. Meine Lippen schmecken salzig. Mein Mund ist trocken. Ich schaue auf die Uhr. Es ist noch dunkel draussen, obwohl es schon halb 8 durch hat. Komisch, denn eigentlich hätte mein Wecker klingeln müssen. Schließlich muss ich in weniger als einer halben Stunde auf Arbeit sein.
Bevor ich mir jedoch weiter Gedanken darüber machen wollte, entschloss ich meinem morgendlichen Drängen nachzugeben. Träge errichte ich mich aus meinem Bett, steige über unmengen von übel riechender Kleidung herüber und betrete den Flur. Es ist auf dem Flur so stockfinster, dass ich nichts sehen kann. Das muss ich aber auch nicht, da ich jeden Morgen blind durch meine Wohnung laufe. Jeden Morgen stehe ich auf und gehe als erstes von meinem Bett direkt zum Klo und beseitige die Problematik einer Morgenlatte. So auch an diesem Morgen, nur irgendwas war anders. Als ich den zweiten Schritt im Flur tätigte, knallte ich mit meinem Fuß an etwas. Es kullert in irgendeine Ecke, jedoch fühlt es sich nahezu widerlich am Fuß an. Als wäre ich gerade mit meinem Fuß auf ein Insekt getreten und hätte es zermalmt. „Aufräumen wäre echt nicht schlecht!“ murmel ich vor mich hin, während ich die Toilette betrat. Den Bruchteil einer Sekunde stellte ich mir die Frage, ob ich stehen oder sitzen sollte. Ja, tatsächlich. Zum Glück fiel mir schnell genug ein, dass die Toilette von mir am letzten Wochenende sowieso nicht gesäubert worden ist und es keinen großen Unterschied macht. Womöglich hätte ich noch eine ganze Sekunde darüber nachgedacht. Zumal: Frauen wissen es nicht, aber es birgt große Probleme in sich, als Mann mit einer Errektion sich hinsetzen zu wollen. Wie soll man den denn bitte dort rein bekommen? Das ist fast so, als würde man mit ungekochten Spaghetti seine Hühnersuppe umrühren wollen.
Da stehe ich also. Die Toilettenbrille ist hochgeklappt, mein bester Freund in meinen Händen und ein Gefühl der Befreiung erfüllt mich. Ich spüre es deutlich in meinen Gliedern. Als würden 1000 Steine von meinen Schultern freien und ... ich eine eiskalte Dusche nehmen! Es klingelte nämlich an der Tür. Wenige Sekunden später hämmert auch noch jemand gegen die Tür und schreit aufgeregt meinen Nachnamen. „Ja, man! Halts Maul! Ich pinkel gerade ... oder willst du dich um eine Putzstelle bewerben?“ schreie ich lauthals in den Flur hinein. Doch das ermutigte die Person vor der Tür anscheinend nur noch mehr, denn jetzt wurde sogar sturm geläutet. „Lass den Scheiss, du blöder Penner. Ich komm ja schon, du dummes Arschloch!“ schrie ich zur Tür, als meine Füße den Flurboden wieder berührten. An der Tür angelangt betätigte ich zuerst den Lichtschalter und schaute durch den Spion. Ich erkannte grüne Uniformen, die direkt vor meiner Tür waren.
Ohne weiter nachzudenken öffne ich die Tür und fuhr den ersten Polizisten direkt an: „Haben Sie noch nie etwas von ausschlafen gehört? Und was wollen Sie überhaupt hier? Die Türken wohnen im vorderen Haus!“ Die Polizisten schauen mich entsetzt an. Einer von ihnen erbleichte und würde in jeder Gothic-Disse als Totengräber durchgehen. Ein Anderer schaute an mir vorbei, riss die Augen auf und drehte sich um, damit er nicht seinen Kollegen den Rücken vollkotzte.
Ich folgte den Blick und wandte mich mit meinem Rücken der Wand zu. Seitlich blickte ich den Flur entlang. Der abgetrennte Kopf meiner Ex-Freundin ließ mich auf meine Knie sinken. Kalter Schweiß. Übelkeit. Ich übergab mich.