merla
Ein Zittern in der Sommernacht, ein Schaudern auf der Blumenwiese. So schön, perfekt das Drumherum, doch schwebt dort nicht die Vergänglichkeit?
Nichts hält ewig in dieser Welt, selbst das Leben ist zum Scheitern da. Neu Erblühtes welkt schon bald und was heut noch wunderbar ist morgen längst vergessen.
Warum etwas beginnen, wenn man doch weiß, dass es enden wird? Warum sich an die Hoffnung klammern, wenn man ihr doch nicht trauen kann?
Warum also leben wir?
Für das Schöne, das uns bald anekelt; für das Gute, das morgen wieder böse ist; für das Neue, das gleich schon veraltet; für alles, das jetzt schon wieder nichts ist.
Es ist sinnlos.
Und was sinnlos ist, wird fallengelassen, denn es hat keinen Zweck sich um etwas zu bemühen, das zum Scheitern verurteilt ist. Es wäre vergebens, närrisch. Doch bedeutet das auch, allem ein Ende zu setzen. Sogar dem Leben selbst.
Ein Zittern durchfährt mich, während ich die Sonnenblume in Händen halte. Schaudernd setze ich mich auf, lasse meinen Blick über die Wiese wandern, verweile bei deinen Augen und erkenne -
einen Sinn?
InMyWinter
wunderbar nachdenklich und melancholisch mit der nötigen hoffnung am ende. ich mags sehr
Der sanfte Dunkle
Nich so hastig, junger Mann! Das Fragezeichen am Ende relativiert meiner Meinung nach die Hoffnung...es gibt keine Hoffnung!
InMyWinter
das seh ich nicht so alter zeitgenosse.*gg*..da unser ich erzähler/-in am des zweiten absatzes sagt "es ist sinnlos" und am ende sagt "und erkenne - einen sinn?" , so scheint die stimmung sich doch etwas zu ändern, denn die letzte frage läßt zumindest offen, ob es eine sinn gibt, wo hingegen vorher der sinn verneint wurde. auch wenn es keinen sinn geben mag, so ist die frage nach ihm keine verneinung dessen.
Inquisition Symphony
Wenn ich mir die grundliegende Botschaft anhöre, ist das Fragezeichen am Ende, der Anfang eines Abstiegs.
Was heute Sinn ist, ist morgen Unsinn.
Abgesehen davon ist offen gelassen, was für ein Sinn und welcher Sinn in den Augen geahnt wird.
Setzt den Punkt nicht zu früh, das Ende mit der Geschichte zusammen ist ungewiss.
Und die Hoffnung die ihr selbst aus den Augen des Gesehenen lest, ist nur eure Hoffnung auf ein gutes Ende.
Das vorherige negieren des Sinns und das daraus folgende fallen lassen, ist ein Hinweis auf die folgende Sinnlosigkeit, des vllt. gesehenem Sinns.
Nur steckt dort der Entschluss und die Angst vor dem Ende verborgen, dass man das nicht möchte,
Das lese ich aus dem Absatz:
"Und was sinnlos ist, wird fallengelassen, denn es hat keinen Zweck sich um etwas zu bemühen, das zum Scheitern verurteilt ist. Es wäre vergebens, närrisch. Doch bedeutet das auch, allem ein Ende zu setzen. Sogar dem Leben selbst.
Dieser logische Schluss in dem Stück verleitet mich dazu anzunehmen, dass die Akteurin selbst, den Entschluss gefasst hat, dieses Vergängliche nicht überall zu zu lassen.
Doch bleibt die Angst vor dem Ungewissen?
Séncja
Wie kommt ihr eigentlich auf "Hoffnung"?
Die Akteurin sieht am Ende etwas. Es ist offengelassen, was es ist.
In der kurzen Passage des Textes wird über die Vergänglichkeit des Seins berichtet. Alles was wert ist, zu existieren, ist wert, zunichte zu gehen. Eine Blume gedeiht, blüht auf, verwelkt und verschwindet. Ein Mensch wird geboren, wächst auf, erfreut sich an seiner Existenz und stirbt. Irgendwann gerät er in Vergessenheit.
Die Akteurin stellt in ihrem Gedankengang offen die Frage, warum man leben solle, wenn doch alles irgendwann endet. Eine Frage, die mit der Existentialphilosophie zu tun hat und von Camus geklärt wurde. Leben bedeutet nicht, sich an den Extremen zu hängen, sondern das, was zwischendrin ist, schätzen und lieben zu lernen. Leben heißt nicht geboren zu werden oder zu sterben, sondern die Zeit zwischen Geburt und Tod bestmöglich zu nutzen.
Wo im Text anfangs nur Skepsis und Pessimismus herrschte, entwickelte sich am Ende die Meinung heraus, dass das Leben lebenswert ist, gerade für die schönen Momente im Leben. Das wird bildlich schön dargestellt durch die Sonnenblume (Licht, Blüte, Frohsinn), die Wiese (Glück, Hoffnung) und letzendlich durch "deine Augen" (Liebe, Gefühlswelt).
Man kann also kurz und knapp sagen, dass der Text den Gedankengang über den Sinn des Lebens widerspiegelt, bei dem die Akteurin ihren Sinn in der Liebe zu einem bzw. ihren Mitmenschen findet.
Hoffnung kann man nur haben, wenn man das Lebensglück schon verloren hat (bezogen auf diesen Text). In so fern würde ich es für eine fehlerhafte Interpretation halten, wenn man sich nur darauf berufen würde. Ist aber auch nur meine Meinung ...
InMyWinter
| Zitat: |
| Wie kommt ihr eigentlich auf "Hoffnung"? |
ich habe nie von einer generellen hoffnung gesprochen, sondern der hoffnung auf einen sinn, der sich für mich durch die frage am ende ausdrückt, da die erzählerin zunächst von der sinnlosigkeit sprach und diese jedoch zum schluß damit in frage stellt.