[Lyrik,Prosa] Gedankensplitter

Der sanfte Dunkle
Haltlos

Haltlos irre ich im Nebel
durch Raum und Zeit
jeden Tag falle ich ein Stück mehr
ein tausendstel Grad
tönern zerschelle ich
auf dem Boden der bodenlosen Ewigkeit


Reif

Der Reif auf meinen Lidern
er schmilzt nicht mehr
mein Herz ist schwer
doch meine Seele zerspringt vor Glück
denn niemals, nimmermehr
kehre ich zurück

Die Maske

Die Maske, die ich trage, steht mir doch recht gut
niemand sieht sie rinnen, die Tränen voller Blut
mein Lächeln ist gefroren, sie sehen's scheinbar nicht
warum bin ich geboren, ich will weg vom Licht
mein Kopf ist leer, fühl mich als Hülle noch
ich falle und falle, in ein finsteres Loch

Der Blick

Der Blick aus Deinen dunklen Augen
streichelt mein geschundenes Herz
und wie weggeblasen
ist mein tiefer Seelenschmerz
InMyWinter
zu Haltlos:
Hat eine gute Idee, aber das Ende verstehe ich nicht. Mir ist schon klar, dass dies Prosa ist, aber was habe ich mir vorzustellen, wenn du vom Boden bodenloser Ewigkeit sprichst. Du entziehst einer "Sache" erst den Boden, die aber sowieso keinen hat und gibst ihn ihr dann zurück. Klingt interessant, löst aber in mir den Verdacht aus, dass es wirklich nur einer Gedanke ist, dem aber ein Realbezug fehlt.

zu Reif:
Da verstehe ich weder deine Intention, noch die Aussage so wirklich oder geht es dort um einen Sterbenden, der (Rau)reif auf den Lidern hat und sozusagen im letzten Atemzug Abschied nimmt? ..dann hätt ichs doch verstanden

zu Die Maske:
Find ich bis auf die letzten beiden Zeilen sehr gut, da sie dem ganzen vom Anspruch nicht gerecht werden (finstere Löcher und leere Hüllen sind prosaisch ziemlich abgegriffen). Aber die Idee mit der Maske hat was. Wenn du den Rhythmus des ganzen noch vereinheitlichst, kann man es auch stolperfrei lesen.

zu Der Blick:
Mag ich auch... Auch hier stört mich nur, dass du keinen einheitlichen Rhythmus verwendest.
Der sanfte Dunkle
Danke erst mal für die Kritik. Die kritischen Anmerkungen kommen mir irgendwie bekannt vor... ...Du bist nicht der einzige, der in diese Richtung argumentiert...muß also was dran sein...naja, ich bin ja auch mehr oder weniger ein Hobby-Schreiberling...ich habe zu diesem Zeitpunkt nur versucht, meine damalige Gemütsverfassung zu Papier zu bringen, war eigentlich mehr so 'ne Art Therapie, und nur für mich.Nun, ich wollte nur mal seh'n, was andere dazu meinen. Mit solchen Meinungen kann ich ganz gut leben..solange es überhaupt eine Meinung zu meinen Schreibereien gibt...man könnte ja auch kommentarlos darüber hinweggehen und denken...watt'n Scheiß! Insofern Herzlichen Dank an IMW...Du läßt mich hier nicht verkümmern...
InMyWinter
hab ich doch gern gemacht, da ich (wie du rechts in meinem Profil siehst) tagtäglich mit den schriftlichen Emotionen der Menschen zu tun habe . Ich seh das so: Lyrik/Prosa ist etwas, was in der Regel einer Emotion entsprngt. Diese ist oft leidenschaftlich und ungezügelt, was ja auch das Gute an ihr ist. Wendet man sich an eine Leserschaft, so ist es wie mit einem Freund, dem du etwas problematisches erklären möchtest. Im besten Falle denkst du erst und sprichst dann, denn du möchtest ja, dass er dir zuhört und dich versteht. Genauso ist es auch mit Gedichten etc.. Wendest du dich an einen Leser mußt du ihm die Chance geben, dich zu verstehen und dies geschieht dadurch, dass du das was du voller Emotionen geschrieben hast, etwas geraderückst ihm etwas mehr Konturen verleihst.
Ich finde deine Ideen wiklich gut und nichts sprict dagegen diese noch weiter zu bearbeiten.

Offtopic:
Manche werden nun natürlich sagen, dass Kunst im Auge des Betrachters liegt. Klar, alle haben recht, aber mal ehrlich, wieviele Menschen kaufen denn Wortfetzenprosa und haben noch Tage später das Gelese im Kopf,,,?....wohl nicht wirklich viele
Der sanfte Dunkle
Zitat:
Original von InMyWinter
Wendest du dich an einen Leser mußt du ihm die Chance geben, dich zu verstehen und dies geschieht dadurch, dass du das was du voller Emotionen geschrieben hast, etwas geraderückst ihm etwas mehr Konturen verleihst.
Ich finde deine Ideen wiklich gut und nichts sprict dagegen diese noch weiter zu bearbeiten.

Offtopic:
Manche werden nun natürlich sagen, dass Kunst im Auge des Betrachters liegt. Klar, alle haben recht, aber mal ehrlich, wieviele Menschen kaufen denn Wortfetzenprosa und haben noch Tage später das Gelese im Kopf,,,?....wohl nicht wirklich viele


Naja, eigentlich waren die Sachen, die ich zu Papier gebracht habe nur für mich...oder sagen wir ..nur für Personen des engsten Vertrauens gedacht...und nun wollte ich einfach mal sehen, ob andere auch was damit anfangen können, bzw. was andere dazu meinen...aber ja, ich kann immer noch an mir, oder an den Dingen, die ich schreibe, noch arbeiten, da haste recht. Das mit den Zuhören und so, stimmt auch...man hat ja schließlich 2 Ohren und nur einen Mund, nicht wahr?

aber mal ehrlich, wieviele Menschen kaufen denn Wortfetzenprosa und haben noch Tage später das Gelese im Kopf,,,?....

Das stimmt ja nun auch...ich habe auch nicht mehr alles im Kopf, was ich mal geschrieben habe....
merla
ich geh jetzt mal davon aus, dass ich dir nicht mehr all zu viel dazu sagen muss

Am besten gefällt mir immer noch "Der Blick", da es für mich das rundeste und harmonischste ist.

Zu "Die Maske" kann ich eigentlich nur sagen, dass es irgendwie absolut - Klischee ist ...
ich hab mal den Begriff "Gothic-Gedicht-Bingo" gefunden. Bedeutet, dass in vielen Gothic-Gedichten immer wieder ähnliche, gleiche Ausdrücke auftauchen.
Da wären z.B. die Tränen voller Blut, das gefrorene Lächeln, die Frage nach dem Sinn, das Loch, und ach ja, und die Maske ...
Demnach recht abgegriffen ...

"Reif" ist mir einfach zu krumm ... zu unharmonisch ... da passen irgendwie nur die letzten drei Zeilen zusammen, während die ersten drei einfach so im Raum rumschwirren ...

und ne Erklärung zu "auf dem Boden der bodenlosen Ewigkeit" hätt ich auch noch gern ...
Der sanfte Dunkle
Nun ja, merla in altbekannter Manier...."der Boden der bodenlosen Ewigkeit" ist für mich ein Paradoxon, was mir in meiner Vorstellung recht gut gefallen hat...wenn's anderen nicht gefällt, oder sie sich nichts darunter vorstellen können...Pech gehabt.(naja, ICH hab' dann Pech gehabt, daß ich andere nicht dazu bewegen konnte, etwas damit anzufangen)..ich könnte darüber stundenlang nachdenken...wie zum Beispiel auch über die Vorstellung, daß sich 2 parallele Geraden im Unendlichen schneiden....oder über die Krümmung des Universums...worum gekrümmt?...ja, ich weiß, das Nachdenken darüber bringt nichts...ist für mich so eine Art *Glasperlenspiel*...find' ich besser, als den 3. Weltkrieg anzuzetteln....oder man könnte auch sagen...DEINE SORGEN MÖCHT HABEN...machst Du Dir um nix anderes Gedanken...und ich: DOCH, JA, AUCH!

Was die abgegriffenen Klischees betrifft...ich kannte vorher keine Gothic -Poesie, da ist nichts (oder sagen wir "kaum") abgeschaut

A Propos Paradoxa...was kannst Du denn in "Herz der Finsternis" von den Untoten mit der Zeile "...jetzt schweben wir im freien Fall, in einem Raum der sich verkehrt" anfangen? Wie kann sich ein Raum verkehren? Ist übrigens auch eine Vorstellung, die mich stark beschäftigt. Wie auch immer, ich freue mich, daß es überhaupt Reaktionen auf mein Geschreibe gibt...welcher Art auch immer...auch die Zugriffe...hätt'ich nicht gedacht