Arbeitszeugnis

merla
Anfang nächster Woche werde ich den vorläufigen Entwurf meines Arbeitszeugnisses bekommen, um selbst noch mal reinzuschauen, ob ich das in Ordnung finde. Wenn mir etwas auffällt, könnt ich das immer noch mit meiner Vorgesetzten besprechen und ändern.

In der Schule haben wir kurz über Arbeitszeugnisse gesprochen und nur ein paar Formulierungen kennengelernt, die einen nicht gut dastehen lassen. Aber wir sind nie ins Detail gegangen.

Worauf muss man achten?
Welche Formulierungen sollten möglichst nicht vorkommen?
Kennt ihr gute Internetseiten, auf denen man Tips bekommt?

Habt ihr vielleicht selbst schon Erfahrungen sammeln können?


Ich habe dann auch mal eine Seite mit Beispielen gefunden:
Zeugnissprache
materialpunk
ich hab, warum auch immer, noch gar kein arbeitszeugnis bekommen, obwohl ich mittlerweile bei meinem 3. arbeitgeber bin! ich habs wohl immer verpasst da hinterher zu laufen... aber auf der anderen seite hat auch noch niemand eins verlangt und bei der jetzigen arbeit bin ich jetzt ja auch fest angestellt!

aber ich hätt schon gern mal eins bekommen und das mal analysiert oder analysieren lassen! ein bekannter von mir musste neulich eins für einen mitarbeiter von sich austellen und saß dann auch als neuling in dieser sache vor nem haufen zettel mit "codierungen"! und obwohl er den mitarbeiter auch nur positiv darstellen wollte hatte er dann bemerkt, dass er ihm mit seinem ersten entwurf unbeabsichtigt sonstwas reingewürgt hatte! furchtbar! und wenn man dann mal selbst an solch eienen zeugnis-verfass-neuling gerät und selbst auch keine ahnung davon hat, dann ist man doch wirklich aufgeschmissen! gruselige vorstellung...
Vulpes
So, da das in meiner Prüfung nicht drankam, versuche ich das hier mal etwas anzureißen

Zuerst mal besteht das Arbeitszeugnis aus mehreren Teilen...

Zuerst kommt das einfache Zeugnis, es beinhaltet einfache Angaben zur Tätigkeitsdauer und zu den jeweiligen Aufgaben und dem Verantwortungsbereich (war x Jahre hier beschäftigt in Abteilung XY und nahm folgende Aufgaben wahr: (...................) )

Wenn ausschließlich (und wenige) Pflichtaufgaben in der Tätigkeitsbeschreibung vorhanden sind, kann das auch negativ ausgelegt werden...
Zusatzqualifikationen und freiwillige aufgaben sind immer gut...
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Darunter folgt dann das qualifizierte Zeugnis, was zudem Informationen über Leistung und Führung beinhaltet ( und noch mehr, aber dazu später)

Laut Grundsatzurteil vom Bundesgerichtshof darf das Arbeitszeugnis das berufliche Weiterkommen des AN nicht unnötig erschweren, negative Äußerungen sind daher zu unterlassen... deswegen bedienen sich die AG der Schummeltaktik, dass sie negative Dinge positiv umschreiben und codieren, was in meinen Augen aber ebenfalls einen Verstoß gegen das Urteil darstellt, aber das macht ja jeder... .-.-)
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Ab da kommt die Leistungsbeurteilung...

Stehen dort nur Selbstverständlichkeiten wie „war stets pünktlich und mit Eifer bei der Arbeit“ „zeigte großes Interesse für seine Arbeit“ dann bedeutet dies, dass der AG nicht viel mehr über den AN sagen kann oder nur noch Negatives erwähnen könnte. Nur diese Punkte sind daher äußerst negativ.

Schlimm wären diese Angaben nicht, wenn sie gesteigert werden (siehe unten) und in Verbindung mit weiteren Formulierungen stehen, die darauf unmittelbar folgen, wie z.B.: zeigte stets außerordentliche Initiative“ „überaus sorgfältig und gewissenhaft, völlig eigenständig, auch bei sehr eng gesetzten Terminvorgaben...“
Mit ihren Leistungen waren wir stets sehr zufrieden (Note: gut)


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abschließende Formulierungen könnten dann z.B. sein:

"Sie hat unseren Erwartungen in jeder Hinsicht und in allerbester Weise entsprochen"
bedeutet dann konkret: sehr gute Leistungen
Auffällig ist die übertriebene Steigerung der Formulierung, je übertriebener gesteigert, desto besser das Zeugnis.

Beispielsweise könnte es auch heißen: "hat die ihr übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt"
Das wäre ein Gesamtergebnis von befriedigend, würde es dagegen heißen "zu unserer vollsten Zufriedenheit", so wären es gute Leistungen...

mangelhaft wäre z.B.: "im großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit zu erledigen"
unzureichend: "hat unseren Erwartungen entsprochen" oder "hat sich bemüht die Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigt"

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Weiterer Punkt:
„Ihr Verhalten gegenüber Kunden, Mitarbeitern und Vorgesetzen war jederzeit einwandfrei und vorbildlich“
Das klingt schön, ist aber abgrundtief böse, denn die Vorgesetzen stehen nicht an erster Stelle, was auf Probleme mit ihnen hindeutet, zudem könnte er die Interessen der Kunden über die der Firma stellen (vgl.: „... zeigte großes Verständnis für die Belange der Kunden“ das ist auch negativ)

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Wichtig ist auch der Grund des Ausscheidens aus der Firma...
Ganz böse ist das Beispiel: „..dass X nun ein Betätigungsfeld sucht, dass seinen besonderen Neigungen und Fähigkeiten stärker entspricht. Wir sind bedauerlicherweise nicht in der Lage, ihm ein entsprechendes Betätigungsfeld anzubieten.“
Das kann so interpretiert werden, dass die Firma froh ist, den AN los zu sein...
Dies kann jedoch sehr speziell auf den Einzelfall zuformuliert sein (positiv wie negativ) und es kommt auf die Gesamtformulierung dieser Passage an, daher verkneife ich mir jetzt andere Beispiele...

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Zum Schluss... der Schluss (wer hätte es geahnt )
Wichtig ist, dass die Firma den Weggang des Mitarbeiters bedauert und ihm viel Glück für den weiteren Lebensweg wünscht, fehlt dies, so scheint das Verhältnis AN < - > AG gestört zu sein.

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Zum Schluss noch böse Formulierungen aus der intoleranten Ecke:

„Er war ein umgänglicher Kollege“ = unbeliebt bei den MA
„Er war ein toleranter Kollege“ = Probleme mit Vorgesetzen
„Durch seine Geselligkeit trug er zur Verbesserung des Betriebsklimas bei“ = Betriebsalkoholiker
„Für die Belange der Belegschaft bewies er stets Einfühlungsvermögen“ = Betriebsgigolo
„ Für die Belange der Belegschaft bewies er ein umfassendes Einfühlungsvermögen“ = homosexuell

Und die Unterschrift auf eine bestimmte Art und Weise (wie genau weiß ich nicht mehr, es war wohl ein Haken irgendwie...) bedeutet, der AN ist links/sozialpolitisch aktiv...

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In der Praxis gibt es unzählige Varianten und leider auch Arbeitgeber, die es gut meinen aber keine Ahnung haben und unwissentlich ein schlechtes Arbeitszeugnis ausstellen...

Wenn du Zeugnis hast, geh doch mal zur Ver.di und lass die drüberschauen, ich glaube die machen das auch bei Nichtmitgliedern kostenlos...
komplizierter Mist...
Seschat
Arbeitszeugnisse müssen ja immer zum (scheinbaren) Vorteil des AN ausgestellt werden. Also nichts direkt negatives drin stehen.
Ist aber manchmal gar nicht so leicht.

Mein letzter Praktikant (schulische Ausbildung) war so eine Vollnuss, der gehörte nicht in das Berufsfeld Naturwissenschaft... kein Stück! Eigentlich ist er eher eine Gefahr für Arbeit und Labor, wenn man ihn unbeaufsichtigt irgendwo ran lässt.
Der gehört eher hinter einen Schreibtisch, wo er Ordner sortieren und Zettel stempeln kann. Geregelter Ablauf mit Vorschriften was als nächstes zu tun ist. Irgendetwas wo keine Eigeninitiative gefordert wird.

Und der Typ sollte von uns ein Zeugnis bekommen... das nicht negativ klingt... -.- Gar nicht so leicht...
merla
als ich mein Zeugnis bekommen sollte, habe ich mich vorher mal im Netz umgesehen. Ich wusste, dass das Zeugnis auf die Note 2 hinauslaufen sollte, also hab ich mir entsprechende Anmerkungen rausgesucht.
Aber das ist wirklich nicht einfach. Man muss auf jedes einzelne Wort achten und auf die Satzstellung. Ich hab mich noch mit meiner Vorgesetzten unterhalten und sie meinte auch, einfach wäre es nicht. Deswegen hab ich die Vorlage erhalten und konnte noch Änderungswünsche besprechen und einfügen lassen.

Aber es gibt schon recht interessante Formulierungen, mit denen man eigentlich alles ausdrücken kann, was man vom Arbeitnehmer hält. Die klingen dann zwar positiv, sind aber sowas von gemein ... schon interessant.
Aber ich will nie ein Arbeitszeugnis schreiben müssen ...
Vulpes
Zitat:
Aber ich will nie ein Arbeitszeugnis schreiben müssen ...


Sei froh
Allein das analysieren und auseinanderpflücken der Beispielzeugnisse während der Ausbildung war mehr als genug für mich